Essstörungen
Die folgenden Inhalte stammen aus der Broschüre:
LEITFADEN BEI ESSPROBLEMEN
- Einleitung
- Ausdrucksformen und Krankheitsbilder
- Magersucht
- Ess-Brech-Sucht
- Heißhungeranfälle
- Übergewicht
- Beratungsstellen (nach Bezirken geordnet)
- Selbsthilfegruppen
- Literaturtipps
Rückmeldungen und Änderungsvorschläge bitte an:
drogenberatung@stmk.gv.at
Einleitung
Das Phänomen Essstörungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen bzw. durch Information und Aufklärung in der Öffentlichkeit bekannt geworden.
Immer mehr Betroffene und Angehörige wenden sich an Beratungs- und Behandlungseinrichtungen, um Klarheit über ihre Situation und Hilfestellung zu erhalten.
Die vorliegenden Informationen der Broschüre "Wir helfen durch DICK & dünn" soll den Menschen in unserem Bundesland eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe sein.
Sie soll vor allem durch möglichst klare Informationen
- Ängste abbauen,
- Wissen vermitteln und aufklären,
- eine rasche und möglichst frühzeitige Hilfestellung anbieten,
- die Betroffenen ermutigen, auf kurzem Wege die für sie richtige Hilfe zu finden.
Über Essstörungen gibt es die unterschiedlichsten Vorstellungen und Befürchtungen.
Eine klare Beschreibung der Ausdrucksformen der einzelnen Essverhaltensweisen soll dabei helfen, sich wieder zu erkennen und die Entscheidung zu treffen, sich mit einer Beratungsstelle telefonisch oder persönlich in Verbindung zu setzen.
Die Broschüre bietet eine nach Bezirken und Regionen geordnete Übersicht über ambulante und stationäre Beratungs- und Behandlungsangebote.
Sie soll im Sinne der Gesundheitsförderung und Vorsorge einen Beitrag leisten, lange Leidenswege und Folgeerkrankungen im körperlichen und seelischen Bereich zu verhindern und eine soziale Isolation hintanhalten.
Ausdrucksformen und Krankheitsbilder
Zahlen
Nach einer Erhebung von Frau Univ. Prof. Dr. Wimmer-Puchinger von 1998 leiden rund 200.000 Österreicherinnen an Essstörungen, mindestens 2.500 Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren an Magersucht, mindestens 5.000 Mädchen an einer beginnenden Magersucht (subklinische Anorexia nervosa), etwa 6.500 Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren an Ess-Brechsucht. Von Essstörungen sind vor allem Frauen betroffen.
In den sogenannten »Überflussgesellschaften« nahm die Zahl der Betroffenen in den letzten zwei Jahrzehnten zu.
Entstehung
Die Entstehung von Essstörungen hat viele Ursachen.
Die von Werbung und Medien vorgegebenen Idealbilder eines übermäßig schlanken Körpers, der Anpassungsdruck in unserer Leistungsgesellschaft und familiäre und persönliche Probleme, Krisen und seelische Verletzungen sind Faktoren, die in unterschiedlicher Art und Weise die Entstehung von Essstörungen beeinflussen.
Besonders in bestimmten Lebensphasen (Pubertät, frühes Erwachsenenalter) und bei belastenden Lebensereignissen (Beziehungskrisen, Trennungen, Todesfälle, Gewalterfahrungen, soziale Not…) können Essstörungen auftreten.
Ein Telefon- oder ein persönliches Beratungsgespräch können oft hilfreich und entlastend sein. Es kann sich aber auch die Notwendigkeit zeigen, umgehend eine längerfristige Behandlung zu beginnen.
Magersucht (Anorexia nervosa)
Betroffen sind meist Mädchen und junge, erwachsene Frauen.
Hauptmerkmal ist
eine starke Gewichtsabnahme, verbunden mit dem subjektiven Bestreben, weiter an Körpergewicht zu verlieren und der Vorstellung, noch immer zu dick zu sein.
Die Betroffenen erleben sich selbst – auch noch mit sehr starkem Untergewicht – als leistungsfähig und gesund.
Ihr Leben ist bestimmt vom ständigen gedanklichen Kreisen um Nahrung und Gewichtskontrolle. Manchmal treten »Fressanfälle« mit anschließendem Erbrechen auf. Sehr häufig werden Abführmittel und Entwässerungstabletten bzw. Laufen und Extremsport missbräuchlich zur schnelleren Gewichtsreduktion eingesetzt.
Körperliche Auswirkungen
- BMI (Body Mass Index): kg/m² < 17,5
Körpergewicht in kg / (Körpergröße in m)² - Müdigkeit, Unkonzentriertheit,
hohe Infektanfälligkeit - Blutbildveränderungen
- Schwindel und Kreislaufstörungen
- Dauerndes Kältegefühl
- Kopfhaarausfall
- Verlangsamung des Herzschlages,
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen - Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme
- Ausbleiben der Regelblutung,
erniedrigter Hormonspiegel - Übermäßige Körperbehaarung
- Nieren- und Leberschädigungen
- Osteoporose (Schwinden der Knochendichte)
- Zahnprobleme
Seelische Auswirkungen
- Schlafstörungen
- Starke Stimmungsschwankungen (Traurigkeit, Zornausbrüche, Niedergeschlagenheit, manchmal erschwerter Zugang zu den eigenen Gefühlen ...)
- Rückzug
- Zwangshandlungen
- Lustlosigkeit (Sexualität, Sinnlichkeit, Genuss, ...)
- Depressionen
- Selbstmordgedanken und -versuche
- Selbstzerstörerische Verhaltensweisen
Soziale Auswirkungen:
- Vernachlässigung von Freundschaften
- Interessens-Einengung
- starke familiäre Spannungen
- Gefährdung des Arbeitsplatzes durch körperliche Zusammenbrüche
Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)
Die Betroffenen – meist Mädchen und Frauen zwischen 15 und 30 Jahren – haben wiederkehrende Phasen von Heißhunger. Dabei wird eine große Menge von hochkalorischen Nahrungsmitteln, meist unkontrolliert und heimlich, zu sich genommen. Aus extremer Angst vor Gewichtszunahme treten nach den Essanfällen Verhaltensweisen zur Gewichtsregulierung auf, wie selbst herbeigeführtes Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln, Fasten oder übermäßiger Sport.
Sie erleben ihr Essverhalten als abnorm.
Das Körpergewicht der Betroffenen liegt im Normalbereich.
Sie wirken nach außen meist selbstbewusst und sozial gut integriert und sind sehr leistungsbetont.
Körperliche Auswirkungen
-
Zahnschäden
- Störungen des Mineralstoff- und
Elektrolythaushaltes - Entzündungen im Mund-, Hals- und
Magenbereich - Haarausfall
- Verdauungsstörungen (Verstopfung,
Blähungen, Völlegefühl, Durchfall,…) - Müdigkeit
- Konzentrationsschwäche
Seelische Auswirkungen
- Schuldgefühle
- Depressionen
- Stimmungsschwankungen
- Versagensängste
- Minderwertigkeitsgefühle
- Lustlosigkeit
- Schlafstörungen
- Innerer Rückzug
- Selbstmordgedanken
Soziale Auswirkungen
- Schulden
- Ladendiebstähle
- Familiäre Konflikte
- Interessens-Einengung
- Sozialer Rückzug
Heißhungeranfälle (Binge eating disorder)
Bei Frauen, die an Heißhungeranfällen leiden, treten regelmäßig Fressanfälle auf, die für die Betroffenen als nicht kontrollierbar erlebt werden. Dabei werden ohne Hungergefühl große Mengen meist hochkalorischer Lebensmittel wesentlich schneller als normal gegessen.
Nach einem solchen Anfall ist die Stimmung von Ekelgefühlen, Depressionen und schlechtem Gewissen gekennzeichnet. Es besteht ein starker Leidensdruck. Das Gewicht der betroffenen Frauen liegt zumeist über dem Normalgewicht.
Körperliche Auswirkungen
- Hoher Blutdruck
- Hohes Risiko für Herzattacken
- Erhöhter Cholesterinspiegel
- Nierenschädigungen
- Schlaganfallgefahr
- Arthritis
Seelische Auswirkungen
- Stimmungsschwankungen
- Depressionen
- Schuldgefühle
- Minderwertigkeitsgefühle
- Sozialer Rückzug
Adipositas (krankhaftes Übergewicht)
Betroffen sind Männer und Frauen. Die Schönheitsnormen für Männer sind jedoch viel weiter gefasst, daher leiden Frauen häufiger unter ihrem Übergewicht. Zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen Menschen bestehen fließende Übergänge (Körpergewicht mehr als 20% über dem Normalgewicht).
Leider wird Dicksein in der Bevölkerung häufig nur als »anlagebedingt« oder durch »mangelnde Willensstärke« erklärt und gilt nur als körperliche Erkrankung und nicht als seelisches Leiden. Dabei ist unumstritten, dass viele Betroffene massive psychische Probleme haben.
Es gibt aber auch Menschen mit Übergewicht, die seelisch und körperlich gesund sind. Stabiles höheres Körpergewicht ist insgesamt gesünder als dauernde Gewichtsschwankungen durch Diäten und Untergewicht
Körperliche Auswirkungen
- BMI (Body Mass Index): kg/m² > 30
Körpergewicht in kg / (Körpergröße in m)² - Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems
- Ernährungsbedingte Zuckerkrankheit
(Diabetes mellitus Typ II) - Gelenkbeschwerden
- Bluthochdruck
Seelische Auswirkungen
- Negatives Körpererleben
- Verachtung des eigenen Körpers
- Extreme Unsicherheit
- Gestörtes Sozialverhalten
- Sozialer Rückzug
- Depression
Weiteführende Informationen
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