Internetsucht

 Internet-Abhängigkeits-Syndrom (IAS)

Das Internet ist eine Einrichtung des alltäglichen Lebens geworden. Eine negative Begleiterscheinung soll sein pathologischer Gebrauch sein. Einzelfälle wurden ausführlich beschrieben. Ob die Diagnose »Internet-Abhängigkeit« oder »Internet-Sucht« berechtigt ist, ist umstritten. Pathophysiologische Aspekte zeigen aber, dass ein Zusammenhang zwischen Internet-Gebrauch und potenzieller Abhängigkeit durchaus plausibel erscheint. Eine Dopaminausschüttung im Gehirn wurde ähnlich wie beim Drogenkonsum und bei abhängigkeitserzeugendem Verhalten festgestellt.

Die seit November 1998 bestehende Externe Verknüpfung Ambulanz für Internet-Abhängige der Psychiatrischen Universitätsklinik München will Patienten mit dieser eventuellen Krankheit weiter untersuchen und therapieren, wobei auch sozialpsychiatrische Aspekte integriert werden.

Analog zum »Abhängigkeitssyndrom« laut ICD-10-Klassifikation werden Diagnosekriterien für das Internet-Abhängigkeits-Syndrom  aufgelistet:

Mindestens 3 Kriterien sollten zusammen über ein Monat bestanden haben; falls sie nur für kürzere Zeit gemeinsam aufgetreten sind, sollten sie innerhalb eines Jahres wiederholt vorgelegen haben.

  • Ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, das Internet zu gebrauchen
  • Verminderte Kontrolle über den Zeitraum, in dem das Internet benutzt wird
    (länger als geplant, erfolglose Versuche Internet-Konsum zu verringern)
  • Auftreten eines Entzugssyndroms
    (Unruhe, Nervösität, Gereiztheit, bewußte od. unbewußte Tipp-Bewegungen der Finger, usw.)
  • Toleranzentwicklung gegenüber der Befriedigung beim Internet-Gebrauch
  • Einengung auf den Internet-Gebrauch
    (zeigt sich durch die Aufgabe oder Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessensbereiche)
  • Anhaltender Internet-Gebrauch trotz eindeutig schädlicher Folgen, obwohl sich der Betreffende über Art und Ausmaß des Schadens bewusst war oder hätte bewusst sein sollen
    (hohe Kosten, Arbeitsplatzschwierigkeiten oder -verlust, Einschränkung von Beziehungen, uä.)

Literatur:
Kimberly S. Young (US-Psychologin): "Gefangen im Netz"
TURKLE Sherry (1998): Leben im Netz – Identität in Zeiten des Internet, Rowohlt